The Order 1886 im Test

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Um The Order 1886 ranken sich mittlerweile viele Mythen. Wir haben unser Spiel bereits seit Montag und konnten das Spiel in der Zwischenzeit durchspielen. In unserem Test möchten wir möglichst viele Fragen beantworten und klären, wer sich das Spiel holen sollte und wer lieber nicht.

[b]Handlung[/b]
Das Setting des Spiels ist im Viktoranischen Zeitalter, anfang des 19 Jahrhunderts, angesiedelt. Allerdings nimmt man sich diverse Freiheiten in dem Stand der Technik und zeigt eine alternative Version des damaligen Zeitalters. Die noch Bodenständige Technik wird durch sehr weit entwickelte Waffensysteme etwas aufgebrochen. Der Spieler übernimmt die Rolle des Sir Galahad, einem Ritter des Ordens, der seit Jahrhunderten Menschen vor Halblütern (Wehrwölfen) beschützt. Dies macht er nicht allein und wird von den ebenfalls sehr markanten Charakteren Sebastian Malory, Marquis de Lafayette und Isabeau D’argyll unterstützt. Doch mittlerweile sind nicht nur die Halbblüter zu einem Problem geworden, sondern auch die sogenannte Revolution. Die rebellische Zusammenkunft möchte mit eigenen Mitteln die Halbblüter bekämpfen und scheint größere Pläne zu verfolgen, die der Orden allerdings nicht kennt.

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Es liegt also an uns diesen Dingen auf den Grund zu gehen und die Fälle zu untersuchen. Doch bleibt dies im Spielverlauf nicht nur bei diesen Themen, denn Ready at Dawn gibt sich unheimlich viel Mühe, uns die Welt von The Order 1886 näher zu bringen. Ständig tauchen neue Charaktere auf. Ständig verfolgen wir neue Handlungsstränge. Auch werden wir immer wieder Zeuge von Überraschungen und kompletten Handlungsänderungen. Erzählerisch weis The Order 1886 sehr viel zu bieten und spielt diese Stärke auch bis zum Schluss aus.

[b]Spiel oder Film?[/b]
Viel Handlung brauch natürlich eine Plattform. Ready at Dawn hat sich bei The Order dazu entschieden einen großen Teil des Spiels in Sequenzen darzustellen. Das besondere ist dabei die Optik, denn sämtliche Sequenzen sind in der Ingame-Engine berechnet, reichen aber teilweise schon sehr nah an aktuelle CGI Sequenzen heran. Das sorgt über einene gewissen Teil des Spiels auch für Begeisterung, da die Optik, das Schauspiel und die charakterstarken Charaktere dafür sorgen, dass wir stets wissen möchten, wie es weiter geht. Jedoch nutzt Ready at Dawn viele Chancen nicht, mich als Spieler noch tiefer in diese Welt tauchen zu lassen.

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Ein Beispiel gibt es ziemlich am Anfang des Spiels. Unsere Aufgabe ist es das Rebellen-Lager aufzusuchen. Unser Orden weis nichts davon. Wir treffen auf dem Weg durch die engen Gassen der Stadt zahlreiche Menschen. Jedoch dürfen wir uns mit ihnen nicht unterhalten. Erfahren nichts über ihr Leben. Auch dürfen wir sehr wenig Objekte beobachten. Wenn überhaupt meist mal Notizen, die dann aber alle auf Englisch verfasst sind. Ab und zu dürfen wir Objekte genauer betrachten, dürfen dies aber nur optisch und erfahren ebenfalls nichts genaueres darüber. Mit etwas mehr Arbeit hätte man hier aber sicherlich Wege finden können, wie mich diese Welt als Spieler mehr einsaugt. Oder auch viel wichtiger, mich einfach auch mal die Ortschaften mehr absuchen lässt. Grade am Anfang spielt man noch gemütlich, schaut sich alles an, weil die Grafik so grandios ist. Aber desto weiter man im Spiel fortschreitet, desto selbstverständlicher wird die Grafik und desto weniger befasst man sich mit der Umwelt.

In den Sequenzen versucht man den Spieler zwar mehr einzubinden und nutzt ettliche Quicktime-Events, bei denen wir ständig die richtigen Knöpfe drücken müssen. Jedoch hat man hier wieder das Gefühl, dass diese aufgesetzt sind. Zumal ein Scheitern nur bewirkt, dass wir die Stelle nochmal anschauen müssen.

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[b]Spiel[/b]
Aber es gibt sie. Die Spielpassagen. Die sich zu 50% mit Filmsequenzen ausbalancieren. Ab und zu gehen wir dazu einfach ein wenig. Meist begeben wir uns aber in Schusswechsel und spielen mit dem vorab so hoch gelobten Deckungs-System. In der Praxis spielt sich das Ganze auch sehr gut. Selten haben wir mal Probleme und müssen unseren Charakter anders ausrichten.

Die Gefechte sind dabei meist sehr spannend. Vor allem da wir ständig neue Waffen in der Hand haben und so immer wieder ausprobieren dürfen, wie wir die Gegnerhorden am besten auseinander nehmen. Dank verschiedener Schwierigkeitsgrade kann sich hier auch jeder seine Herausforderung passend einstellen. Ist man mehr wie ich darauf aus, die Story zu erleben und kann getrost auf fordernde Schusswechsel verzichten, lässt es sich mit dem leichten Schwierigkeitsgrad gut vorrankommen. Schon ab dem normalen Schwierigkeitsgrad zieht das Spiel aber ordentlich an.

Fakt bleibt aber auch, desto einfacher ihr euch das Spiel stellt, desto schneller kommt ihr voran. Es liegt allgemein an eurer Spielweise, ob ihr das Spiel nach 5 Stunden oder erst nach 15 Stunden durch habt. Theoretisch gibt es genug Pfade, dass man sich die Spielzeit verdoppeln oder sogar verdreichfachen kann. Das Spiel gibt uns aber kein Anreitze das zu tun. Es muss schon die eigene Neugierde sein, die einen dazu treibt.

Entsprechend ist eine realistische Spielzeit wohl 7-8 Stunden. In der zeit sollte ein durchschnittlicher Spieler, der nicht durch das Spiel rennt, durch das Spiel kommen.
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[b]Wiederspielwert, Preis, Technik[/b]
Die große Frage die am Ende von The Order 1886 bleibt ist, ob es sich lohnt für ein 7-8 Stunden langes Spiel ganze 70€ zu bezahlen. Die Frage lässt sich allerdings nicht pauschal beantworten und bedarf eigentlich einer weiteren Analyse.

Fakt ist, das Spiel hat nur einen Single-player-Modus. Es ist linear und auch ein zweites durchspielen ändert nichts an der Erzähltweise. Nur absolute Fans werden deshalb das Spiel womöglich auf einen schwereren Schwierigkeitsgrad noch einmal durchspielen. Schön ist, dass man dazu nach dem ersten durchspielen, alle Kapitel nochmal anwählen kann. So kann man Freunden besondere Stellen zeigen oder seine eigenen Highlights nochmal erleben.

Doch rechtfertigt das diesen hohen Preis? Nein! Was viele allerdings vergessen ist die grafische Qualität hinter dem Titel und diese grandiose Qualität, die das Spiel hat. Allein schon die deutsche Sprachausgabe ist dermaßen gut, dass viele andere Spiele sich geschlagen geben müssen. Hinzu kommt diese unheimlich detaillierte Welt. Egal wo ihr hinschaut. Jedes Objekt ist auf einem Niveau designt, dass The Order technische Maßstäbe setzt!

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Worauf ich mit dieser Analyse letztlich hinaus will. Seit der PlayStation 3 kosten Spiele zum Release 70€. Niemand hat jeweils eine Preiserhöhung in Betracht gezogen, sondern bietet dies eher versteckt an. Da gibt es so Erfindungen wie DLC´s, Item-Shops, etc. All das macht The Order nicht! Das Spiel gibt sich mit den 70€ geschlagen und bietet dabei eine Qualität, die kein anderes Spiel bieten kann.

Außerdem bin ich selbst auch der Überzeugung, dass solche „offline-Spiele“ die sich wirklich komplett auf eine Single-Player-Kampagne konzentrieren, in dieser Generation noch absolute Mangelware sind. Multiplayer-Modi bedeuten immer, dass ein großer Teil der Entwickler, seine Arbeit nicht in den Single-Player-Modi stecken kann. Bei The Order 1886 wurde dies getan und die Qualität des Spiels in Optik und Cineastische Darstellung ist unvergleichlich.

Fazit: The Order 1886 mag kein perfektes Spiel sein. Genau genommen macht es noch viele Fehler die man als ausstehender leicht bemängeln kann. The Order 1886 hat aber auch ganz klare Stärken und eine Qualität, die unvergleichbar ist. Man muss sich zwar im klaren sein, dass The Order 1886 mehr Film als Spiel ist und die Gefechte mehr einen Schießbuden-Charakter vergleichen und dem aktuellen Trend der offenen Welt völlig entgegen wirken. Jedoch bleibt der Preis von 70€ fair, da The Order danach kein weiteres Geld von euch verlangt und auf Item Shops, DLC`s und andere Mechaniken komplett verzichtet! Ich jedenfalls habe meine Zeit in The Order 1886 genossen und hoffe, dass der Titel genug Fans findet. Sir Galahad darf gerne einen weiteren Auftritt bekommen. Mit ein paar Tipps aus der Community und der Fachpresse könnte das nächste Spiel dann sogar noch einen ticken besser werden. Aber auch so muss sich The Order 1886 nicht verstecken und zaubert ein bisher nie erreichtes qualitatives Spiel auf meinen Fernseher.

[+] Sehr hohe technische Qualität
[+] Top deutsche Sprachausgabe
[+] Genialer Sound!
[+] Nette Gefechte mit abwechslungsreichen Waffen …
[-] … die allerdings sehr linear sind.
[-] Die Welt reizt uns zu wenig sie zu erkunden.

Wertung: 8/10

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